Streetfotografie, Deutschtum, Recht am eigene Bild, Messen mit zweierlei Maß und Babyfotos
Martin und Marcel, die Männerwirtschaft* aus Hamburg greifen ein interessantes Thema auf.
Martin erklärt in seiner coolen und sachlichen Art warum er Streetfotografie macht und welche eventuellen Probleme es geben könnte.
Marcel hingegen springt in seiner gewohnt koddrigen Art auf den Zug auf und verteidigt Martin auf eine gewisse Art und Weise, gibt aber auch einige andere interessante Blickwinkel zum Besten. Beide haben auf ihre Art recht und bei beiden weiß man, was sie meinen. Manche wissen es in den Kommentaren nicht oder kapieren es nicht.
Marcel springt ja bekanntermaßen schnell auf Reizungen an und gibt gerne mal den Rüpel (kleine Anmerkung: Man merkt leider zusehend wie Marcel versucht sich künstlich in das von ihm selbst geschaffene und aufgebaute Arschloch-Korsett zu quetschen, dass ihm offenbar bald zu eng wird. Der Erfolg bereitet ihm ein wenig Probleme und seine charmante und kodderige Natürlichkeit, die er noch letztes Jahr hatte, leidet darunter).
Aber wenn man darüber hinweg schaut und etwas tiefer blickt, ist das Thema interessant. Marcel schreibt unter anderem folgendes:
Angst verhindert Produktivität, verhindert Erfolg, verhindert eine bessere Welt. Martin schreibt drüben von Streetfotografie, die rechtlich fragwürdig ist, aber gescheite Ergebnisse liefert. Er weiß es vermutlich noch nicht, aber eigentlich geht es in seinem Artikel nicht um Fotografie, es geht um alles, jeden Aspekt des Lebens.
Nun stellt sich die Frage nach Recht, Persönlichkeit und Respekt. Klar: Es gibt Respekt. Aber die Streetfotografie verteufeln? Mir nerven zum Beispiel hier in Berlin die Vollhonks die Autos anzünden und Leute in U-Bahnen verprügeln. Ein Foto einer Person machen ist dagegen Peanuts und wirklich keinerlei Verletzung einer Person. Solange es nicht in einer für die abgebildete Person peinlichen Situation geschehen ist.
Marcels schreibt in einem Nebensatz, vermutlich auch, weil er sich ärgerte, sinngemäß so was wie “geht los und malt Häuser voll!”
Fremde Häuser wohlgemerkt. Also fremdes Eigentum mutwillig zu beschädigen und zu zerstören. Das kann ich wiederum nicht wirklich nachvollziehen. Ich glaube auch nicht, dass er das wirklich so proklamieren will. Wenn doch, wäre es doof von ihm.
Wie gesagt Respekt. Das sollte jedem klar sein. Wer das nicht kapiert hat, hat irgendwie Sozialkunde in der Schule geschwänzt oder ist mit dem “Asi-Gen” geboren worden.
Das Problem ist m. E. doch eher, dass Streetfotografie eine Kunstform ist und hier in Deutschland wird immer gleich mit Urheberrechten und Rechten am eigenen Bild gewedelt.
Das gleiche kranke Ding ist übrigens die Verpixelung in Google Streeview.
Ich schreib ja hier schon:
Und ihr schizophrenen Doofköppe bringt in jeder erdenklichen Online Community eure Daten ein, hinterlasst Fotos von euch im Urlaub auf eurer Homepage, zeigt euch in eurem Garten beim Grillen vor eurem Haus, twittert Privatkram, zeigt eure Babys. Hat die eigentlich mal jemand nach Erlaubnis gefragt? Hunde und Katzen, eure Wohnzimmer in Facebook.
Da ist das Internet für euch komischerweise nicht böse!?!?!
Das ist dumm, das ist deutsch. Das war so und wird wohl immer so sein.
Natürlich hat auch hier irgendein netter Nachbar veranlasst, dass unser Haus in der Pixelmatsche versinkt. Danke!
Aber kein Thema. Das Ding sieht übrigens so aus. Nichts besonderes und es gibt auch nichts zu verbergen.

Den Deutschen geht es offenbar immer noch nicht schlecht genug, solange sie solche Probleme haben.
Andersherum fragt kein Schwein danach, dass Babyfotos in Facebook, Twitter und sonstigen Onlinegruften verbreitet werden. Die Babys wurden mit ziemlicher Sicherheit nicht gefragt. Und selbst wenn es die Eltern sind. Was macht ihr mit dem armen Kind? Es kann sich nicht mal wehren, weil es noch nicht sprechen kann, wenn ihr es öffentlich präsentiert. Seine ersten Zähne zeigt, sein erstes Gehen dokumentiert, sein erstes Windelvollkacken etc. Und dann wird dem armen Kind dann mit 12, 13, 14, 15 oder 16 Jahren beim ersten Surfen am eigenen Rechner dann bewusst, dass seine Eltern sein Leben der ganzen Welt gezeigt haben, ohne ihn zu fragen.
Ich als Kind wäre massiv angepisst! So viele iMacs, iPads, Playstations und New York Reisen könnt ihr gar nicht bezahlen um dieses orwellesque Tun wieder gut zu machen.
Wollt ihr das man, das mit euch auch macht? Nein?! Warum regt ihr euch über Street View auf, motzt rum wenn euch jemand fotografiert. Stellt Leute die Streefotografie betreiben an den Pranger, zückt bei jeden noch so kleinem Kack die Visitenkarte des Anwalts.
Liebe Eltern! Denkt mal einfach darüber nach: Am besten wenn ihr wieder über die Politik meckert, über Datenschutz nachdenkt, gegen AKWs und Stuttgart 21 protestiert. Denkt mal darüber nach!
Mir ist es sogar schon peinlich, meine Katzen zu fotografieren und zu zeigen.;-)
Zum eigenen Bild zurück: Klar wäre ich überrascht, mich irgendwo auf einem Blog wiederzufinden. Aber es käme ehrlich gesagt auch auf das Blog an. Bin ich auf einem 0/815 Dumpfkolben-Dully Blog oder eben eher auf der künstlerisch ästhetischen Seite von zum Beispiel Stilpirat oder eben Martins Visuelle Gedanken.
Ich würde Martin anschreiben und vielleicht so was in der Art formulieren.
1. Hei, hässliches/tolles Foto von mir.
2. nimmst du es bitte raus / lasst es drin!
3. vielleicht wärst du so nett und verlinkst auf meinen Blog? Kann muss nicht.
4. Bekomme ich ein Abzug?
Ich kann die Sichtweise von Martin jedenfalls nachvollziehen.

This Post Has 0 Comments